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Er wirkte außer Atem, als er in den Bus sprang, die zerknitterte Fahrkarte in der Hand. Es regnete draußen und er hatte, das blaue Jackett überm Kopf, den Weg vom Bäcker zum Bus laufen müssen. Erst im Gang schien er sich ein wenig zu entspannen. Von seiner Jacke tropfte noch immer der Regen. Der Bus war nicht besonders voll, aber er hatte es eilig sich zu setzen. Und so nahm er den nächstbesten Platz und das war der Platz ihr gegenüber. Sie seufzte. Eigentlich mochte sie es nicht, wenn Leute das taten – sich zu ihr setzen.
Seine Beine stießen gegen ihre. Tropfen fielen auf ihren Rock. „Tschuldigung“, murmelte er und zerrte ein Smartphone aus seiner klitschnassen Hosentasche. Dabei fiel etwas aus der Tasche über den Boden und kullerte zwischen ihre Füße. Sie hob es erstaunt auf. Es war ein Stein, der an einem Goldkettchen befestigt war. Er war etwa so groß wie eine Bohne und glänzte blutrot im Licht. Er wirkte, im Gegensatz zu seinem Besitzer, so gar nicht männlich. Sie sah die Kette verdutzt an.
„Hübscher Schmuck“, kommentierte sie und reichte ihm die Kette. Er nahm sie verlegen entgegen. „Danke. Ist nicht meine. Also schon, aber ich will sie verschenken.“
Sie nickte und schmunzelte. „Die Glückliche!“
Der Mann sah sie mit einem betretenen Lächeln an, Smartphone in der einen, Kristallkette in der anderen Hand. Nach kurzem Zögern stecke er das Handy in die Tasche seines Jacketts. Vermutlich würde er es später verzweifelt in seiner Hosentasche suchen, so zerstreut wie er auf sie wirkte. Den Kristall hatte er noch in der Hand
„Echter Rubin?“, fragte sie nach einer Weile.
„Ähh, ja.“ Er betrachtete den Anhänger in seiner Hand, dann stecke er auch ihn in seine Tasche.
Sie sah ihn ausdruckslos an. Sie hatte noch nie etwas so wertvolles geschenkt bekommen. Zwar hatte sie durchaus in ihrem Leben einige sehr enge Freunde gehabt, aber keiner verdiente gut genug, um sich etwas Derartiges leisten zu können. Nur sie selbst hatte es so weit gebracht.
Sie griff in ihre Tasche nach ihrem Telefon, ein älteres Modell. Sie musste eine wichtige Nachricht schreiben. Außerdem würde es sie davon abhalten, weitere Fragen zu stellen. Doch sie hielt es nicht lange aus.
„Woher haben sie denn dieses wunderschöne Schmuckstück?“
„Vom Juwelier in der Bernhardt-Allee.“
„Aha. Und… der Kristall… hat der eine Geschichte?“
Er wirkte plötzlich ungehalten. „Nicht dass ich wüsste.“
„Soso. Woher kommt denn der Kristall?“
„Was fragen Sie eigentlich ständig nach dem Kristall?“, entgegnete der junge Mann unwirsch. Er hatte sich versteift. Sie lehnte sich gelassen zurück, ihr Handy vibrierte. Sie warf einen Blick auf das Display. Zwei einzelne Wörter standen darauf. Verstanden. Unterwegs.
„Ach nichts. Er kommt mir nur seltsam vertraut vor. So, als hätte ich auch mal so einen Stein besessen.“
Er riss die Augen weit auf und starrte sie an. Er sprang auf. Sie hinderte ihn nicht daran.
Das Blaulicht bemerkte er ohnehin erst, als es zu spät war.
Ursprünglich gedacht für den Wettbewerb der Schreiberlinge, dann aber verworfen, da er mir nicht sonderlich gefallen hat.
Ich habe ihn jetzt noch einmal ein wenig überarbeitet. Ein Meisterwerk ist er wahrlich nicht, aber ich bin dennoch zufrieden mit der überarbeiteten Version.
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Apr 14, 2015  Hobbyist Writer
Hihi, da hast Du auf jeden Fall die bessere Geschichte für den Wettbewerb verwendet. 

P.S.: Fand ich übrigens sehr schön, dass wir uns beide die Punkte für den ersten Platz teilen durften :woohoo:
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:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Apr 15, 2015  Hobbyist Writer
Fand ich auch! :) Also auf beides bezogen! :D
Ja, der Text hier war mir irgendwie zu... klischeehaft. Da habe ich lieber noch mal etwas geschrieben, wo man sich beim Lesen nicht schüttelt... :D
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Apr 18, 2015  Hobbyist Writer
Nein, der Text hier war nicht zum schütteln. Aber der andere war einfach besser :woohoo:
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:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Apr 18, 2015  Hobbyist Writer
Ja, da kann ich dir zustimmen! :D
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:iconmoritz-fuchs:
Moritz-Fuchs Featured By Owner Apr 13, 2015   Writer
Hm... irgendwie passt der Anfang nicht zum Ende der Geschichte.
An sich mag ich unerwartete Wendungen, aber hier ist es so apprupt und vieles wirkt zu erzwungen. :(
Ich glaube das Schreiberlinge Thema war Kristall? Da du es nicht mehr für den Wettbewerb verwendest, würde ich definitiv ein anderes Wort als Kristall nutzen. Das sagt man so nicht. Edelstein / Stein schon eher.
Dadurch wird der Dialog natürlicher und nicht so aufgesetzt.

Ein weiteres Problem ist eine Unklarheit in der Perspektive. Wir sehen alles aus ihrer Perspektive und kennen nur ihre Gedanken, haben also eine innere Fokalisierung auf die Frau. Dann aber:
'Sie griff in ihre Tasche nach ihrem Telefon, ein älteres Modell. Sie musste eine wichtige Nachricht schreiben. Außerdem würde es sie davon abhalten, weitere Fragen zu stellen. Doch sie hielt es nicht lange aus.'
Das wirkt so, als ob es aus seiner Perspektive kommt, obwohl 'wichtige Nachricht' (das kann er ja nicht wissen) für ihre Perspektive spricht, was du sicherlich auch wolltest. Es passt nur irgendwie nicht zu der Frau, da sie ihr Handy auch nicht erneut als älteres Modell kommentieren würde. Die Information ist aus ihrer Sicht nicht wichtig, das wäre nur etwas, was ihrem Gegenüber auffallen würde.

Entschuldige bitte, dass ich gerade nur kritische Worte hatte, aber eventuell hilft es dir und ich denke, aus dem Ansatz könnte man eine wirklich gute Geschichte machen. :)
Aber genau deswegen mag ich diese Schreibwettbewerbe nicht, sie zwingen einen oftmals in einen zu engen Rahmen und versauen mir von vornerein den Text. Ist aber sicherlich auch ein persönliches Problem von mir. :D
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Apr 14, 2015  Hobbyist Writer
Interessant, wie unterschiedlich man die Schreibwettbewerbe empfinden kann.

Dich schränken sie ein, zwängen Dich in einen "zu engen Rahmen". Mich hingegen inspirieren sie. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie scheine ich - zumindest gelegentlich - so einen äußeren Anstoß zu brauchen, einen Ausgangspunkt, von dem aus meine Ideen losmarschieren können.

Tja, das scheint aber irgendwie auch typisch für mich zu sein. Selbst bei meinem Buch ("Saviya") sind viele meiner besten Ideen dadurch entstanden, dass ich jedes Kapitel entweder nach einem Tier (die Katze, der Rabe, Glühwürmchen etc.) oder aber nach einem Menschentyp (der Krieger, die Hexe, die Todgeweihten etc.) benennen wollte.

Anfangs hat sich das zufällig so ergeben, später allerdings war ich immer öfter gezwungen, mir noch irgendetwas einfallen zu lassen, um eine entsprechende Kapitelbenennung zu ermöglichen. Und ohne diese - durch Zwang - entstandenen Ideen wären einige der schönsten Episoden vermutlich nie entstanden :)
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:iconmoritz-fuchs:
Moritz-Fuchs Featured By Owner Apr 16, 2015   Writer
Ich finde so eine Struktur, wie du es für die Kapitel deiner Romane beschreibst, sehr schön!
Aber ich mag es, wenn ich diese Strukturen selbst entwickel und nicht um ein Motiv herum stricken muss.
Das erfordert zwar auch Einfallsreichtum und Kreativität, aber ich habe so schon eine lange Liste mit Textentwürfen und Ideen die ich bei Gelegenheit ausführen möchte und einem Schreibwettbewerb vorziehe. ;)
Ich versuche dennoch meinen Beitrag zu diesen Wettbewerben zu leisten, indem ich meinen Senf zu den Texten gebe und mich an den Diskussionen beteilige. :D
(Das ist ja immerhin etwas und gibt denjenigen, die sich die Mühe machen ein Thema kreativ zu verarbeiten auch Feedback und Motivation weiterzumachen.)
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Apr 18, 2015  Hobbyist Writer
Tja, ich furchte, ich bin ein fürchterlicher Spontanschreiber. Als ich mit meinem Buch angefangen habe, hatte ich keine Ahnung, was das eigentlich werden soll. Ich habe einfach mit einer interessanten Finalszene angefangen, und dann von diesem Höhepunkt aus rückwärts gehend alles kreiert, damit die Geschichte auf genau diese Szene zuläuft. 

D.h., ich bin es von Anfang an gewohnt gewesen, unter "Zwängen" zu schreiben, auch wenn es in diesem Fall meine eigenen Zwänge waren :D.

So hat jeder halt seinen eigenen, individuellen Schreibstil. Ich brauche ebendiese Vorgaben, Du brauchst Deine Freiheit. Aber letztendlich ist ja auch egal, wie man zum Ziel kommt. Das Ergebnis zählt, und dass kann sich bei Dir sehen lassen :woohoo:
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:iconmoritz-fuchs:
Moritz-Fuchs Featured By Owner Apr 19, 2015   Writer
Ein interessanter Einblick in deinen Schreibstil!
Die interessante Finalszene wie du sie nennst fehlt mir Anfangs komplett, zumindest die 'richtige'. :D
Wenn ich anfange weiß ich wer wo handelt und welche Konflikte (und meist auch welche Nebenhandlungen) es geben wird. Oftmals weiß ich auch wie der Höhepunkt aussehen soll, mein Problem, was ich momentan habe ist, wie ich die Geschichte von der Höhepunktsszene, wieder in ihren Normalzustand überleiten kann, ohne das es zu künstlich wirkt. Also könnte man sagen, dass mir das eigentliche Ende die meisten Probleme bereitet. Könnte erklären, warum ich bei meiner Prosa Kurzgeschichten so gerne mag, die sind ja auch fast alle mit open End. :D

Deine Methode scheint auf jedenfall sehr gut zu klappen, denn das Lob, dass sich das Ergebnis sehen lässt, kann ich uneingeschränkt zurückgeben. :)
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Apr 19, 2015  Hobbyist Writer
Yep, so gesehen bin ich ein ziemlich chaotischer Schreiber, weil ich nie chronologisch schreibe, sondern tatsächlich immer mit dem Höhepunkt anfange.

Dein Problem allerdings, wie nach einer Höhepunktszene wieder in den Normalzustand übergegangen werden soll, hatte ich noch nie. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass meine Höhepunktszenen stets auch ein gewisses Maß an Tragik beinhalteten und dadurch ganz ungezwungen in die "Niederungen des Normalzustandes" zurückführen.

Das gilt auch für das letztendliche Ende am Ende der Haupthandlung in meinen zwei Büchern. Auch hier wird das eigentlich glückliche Finale durch einen tragischen Verlust getrübt. Den tatsächlichen Ausgang der Geschichte erfährt der Leser daher auch erst im Epilog.
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:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Apr 13, 2015  Hobbyist Writer
Richtig. Es war genau dieser Bruch mit der vorherigen Erzählweise, der mir ursprünglich auch nicht gefallen hat. Deswegen habe ich den Text auch nicht für den Wettbewerb gewählt. Es passt irgendwie nicht ganz und dann wirkt es auch noch kitschig (ich schätze, dass ist das, was du mit erzwungen meinst - es ist viel zu unnatürlich, als dass es sich gut liest).
Das Problem mit der Perspektive habe ich so noch nicht betrachtet, es leuchtet aber durchaus ein. Mir selbst ist es vermutlich beim Korrigieren nicht aufgefallen, weil ich gerade die von dir zitierten Stellen neu hinzugefügt habe. Danach habe ich nur noch einmal drübergelesen und es ist mir dann wohl nicht aufgefallen. Passiert mir immer wieder, es wird Zeit, dass ich daraus mal lerne... ^^;
Und was das Wort Kristall angeht: Da hast du recht - auch ein Grund, warum ich das Thema so knifflig fand. es ist ziemlich schwierig, irgendwie etwas dazu zu schreiben, ohne es gezwungen wirken zu lassen (so wie hier). Letztenendes rutscht man schnell entweder in den Kitsch ab oder ins Wissenschaftliche, je nach dem.

Ich kann jedenfalls nachvollziehen, worin die Probleme liegen. Da ich vorhabe den Text noch einmal zu überarbeiten (er war mehr als ein Lebenszeichen von mir gedacht... :D) werde ich sicherlich noch einmal auf deine Hinweise zurückkommen. Vielen Dank also für die Tipps und Vorschläge! ;)
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:iconmoritz-fuchs:
Moritz-Fuchs Featured By Owner Apr 13, 2015   Writer
Ich weiß ja, dass du gut schreiben kannst und dich immer verbesser möchtest. Von daher bin ich gespannt!

Hatte letzte Woche mein erstes professionelles 'Schreibseminar' an der Uni. Das war auch nochmal ein neues Niveau an Kritik und Tipps für das Erstellen literarischer Texte.
Viel Arbeit und zunächst etwas hart, aber es macht aber super viel Spaß und man merkt, wie viel man sich noch verbessern kann. Sobald ich wieder etwas mehr Zeit habe, werde ich dann unter Anwendung des neu erworbenen Wissens auch mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. :D
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:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Apr 14, 2015  Hobbyist Writer
Ich schreibe ja derzeit auch ausschließlich hobbymäßig, da ist es ziemlich hilfreich, auch solche Kritik zu bekommen. Wenn ich alleine überlege, worin ich mich noch gerne üben möchte... Das ist eine ganze Menge. Übung macht den Meister! :)
Ich bin auch stark am Überlegen, ob ich  icht auch einmal ein derartiges Seminar o.ä. besuchen soll. Das halte ich für ziemlich spannend!
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April 12, 2015
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