Shop Mobile More Submit  Join Login
Der Stich saß.
Die Klinge bohrte sich tief in meinen Brustkorb. Nicht ganz mittig, leicht links, zwischen die vierte und fünfte Rippe. Und dort saß sie jetzt fest.

Es tat nicht weh, es blutete nicht einmal.
Wie denn auch, die Klinge war ja nicht echt.
Es fühlte sich eher so an, als ob die Klinge mein Herz einfror, so, als ob es zusammenschrumpfte und langsam zum Stillstand kommen würde. Wie erstickt. Geschrumpelt wie eine Traube, die man trocknete.
Schockgefrostet – wie passend.

Während mein Herz zu erfrieren schien, spürte ich, wie Hitzewellen über meinen Körper liefen, wie ich schwitzte. Als ob flüssiges Blei über meinen Körper gegossen würde, so schwer und heiß waren meine Glieder. Es wunderte mich beinahe, dass die beiden mich nicht sahen, mein Kopf musste glühen.
Nur da, wo die Klinge steckte, da war es kalt.

Und so starb ich in just diesem Moment einen schrecklichen Tod.
Es war anders als der Tod eines Soldaten.
Wenn ein Soldat weiß, er wird sterben, dann kommt er mit sich ins Reine, akzeptiert seine Endlichkeit und tritt mit einem Seufzen der Resignation ab. In Frieden.
Aber ich, ich starb ja nicht einmal wirklich.
Eigentlich war es schlimmer als das. Mein Tod dauerte lange und er war schmerzhaft. Vielleicht würde er nie enden.

Eine Träne rollte mein heißes Gesicht hinab, sie schmeckte salzig.
Meine Sicht verschwamm, aber das änderte nichts. Noch immer sah ich sie, ich würde sie immer sehen. Sie, die sie den Stoß geführt hatte. Unbeabsichtigt, ohne jede Intention. Sie wusste nicht einmal, wie präzise sie mein Herz punktiert hatte.
Sie küsste ihn einfach nur.

Und so stand ich da, eine feine Wunde am Herzen, aus der langsam aller Lebenswille tropfte und starrte ausdruckslos auf die Szenerie. Auf sie und ihn.
Meine Tränen brannten heiß.
Ein anderer. Und als er sie umschlang, drehte er die Klinge in meinem Herzen herum.
Da machte ich kehrt und rannte.
Ein kleines Experiment mit Gefühlen und Bildern.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Erzähler in einer Geschichte nicht zwangsläufig (bzw. eigentlich sogar nur in den seltensten Fällen) auch dem Autor gleichzusetzen ist. Ich habe versucht, mich so gut es geht in die Situation hineinzuverstezen, habe sie aber keinesfalls in dieser Form erlebt. Das nur am Rande (es erschien mir nach dem weitaus perönlicheren Mein Leben zerfällt sinnvoll, das mal zu erwähnen...).

Kommentare sind wie immer in jeder Form gerne gesehen! :nod:
Add a Comment:
 
:iconbuvium:
Buvium Featured By Owner Jan 14, 2016  Hobbyist General Artist
Das ist jetzt das mir am nächsten liegende, was ich jenseits meiner eigenen Texten lese. Ich erlebte...erlebe noch immer den zeitlosen Moments des Schmerzes, der mich vor 21 Jahren traf, ich aber weit später erst verstand, als ich beinahe Gefühllosigkeit in Vollendung auslebte und so blind nichts mehr sah. Nun kehrt das Licht nach langer Läuterung zurück, doch ich bin nie mehr der, der ich damals war. Vielleicht ist es gut so.
Doch verzeihe! Ich bin diesen Worten so nahe und vergesse das Wesentliche. Entweder hast du dies wirklich erlebt oder du bist einfach ein sensitiver Mensch der eine mentale Vorstellungskraft hat, die sich höchster Einfühlsamkeit beweist.      
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 16, 2016  Hobbyist Writer
Manchmal sind die Veränderungen gut, die wir durchleben, auch wenn der Weg dahin ein wenig schmerzhaft ist. Ich zumindest kann von einigen schmerzlichen Erfahrungen meinerseits sagen, dass sie mir gut getan haben (natürlich ist nicht alles was wehtut auch gleich gut...).
Ich habe etwas Vergleichbares tatsächlich erlebt, wenngleich auch zugegebenermaßen nicht ganz so extrem. Dementsprechend kannte ich das Gefühl.
Jedenfalls vielen Dank für den Kommentar! Es freut mich, wenn sich Leute die Zeit nehmen und ihre eigenen Erfahrungen schildern! :)
Reply
:icongotofwar:
GotofWar Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist General Artist

Als Jemand der die Situation genau so Erlebt hat wie du sie Schilderst, kann ich sagen sehr gut beschrieben. Thumbs Up 


Wenn du mir Erlaubst hätte ich aber dennoch einen unverbindlichen Verbesserung´s Vorschlag;


Du SchreibstEs fühlte sich eher so an, als ob die Klinge mein Herz einfror, so, als ob es zusammenschrumpfte und langsam zum Stillstand kommen würde. Wie erstickt. Geschrumpelt wie eine Traube, die man trocknete. Schockgefrostet – wie passend.“


Ist jetzt nur meine Persönliche Meinung aber wenn du in der eigentlichen Szenerie des Einfrierens gebliebenen wärst, hätte es besser geklungen. Was ich meine ist die Bildliche Vorstellung mit der Traube die Schockgefroren wird ist zwar ganz nett aber ich finde das der Erzählfluss hier kurz zum erliegen kommt dar die Vorstellung von einem langsam gefrierenden Herzen zu einen Schrumpfenden Herzen wandert. Ich Maße mir jetzt nicht an eine eigene Formulierung zu bringen aber ich denke diese stelle würde besser wirken wenn du eher die Szene ausgestaltet hättest und beim Langsamen einfrieren geblieben wärst, vielleicht in Verbindung mit langsamen wachsen rissen die sich durchs Herz ziehen, weil das Eis Splitter und das Herz Zerspringen will usw.


Noch etwas anderes was ich in den Kommentaren gelesen habe, meiner Erfahrung nach heilen wunden am Herzen nie. Denn die Zeit heilt keine solchen wunden das ist Wunschdenken aber man lernt mit diesen Verletzungen zu leben.

Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 31, 2015  Hobbyist Writer
Vielen Dank für den Hinweis! Ich finde die Idee mit den Rissen sehr gut, darauf bin ich leider nicht gekommen (ich dachte an das Schrumpfen, da Dinge, die Erkalten ja in der Regel auch schrumpfen - abgesehen von Wasser natürlich). Aber ich denke, dass die Idee mit den Rissen schon ein wenig passender wäre.

Ich denke, da haben zum Teile beide Seiten recht. Einige Leute kommen mit der Zeit tatsächlich besser damit klar als andere. Ich denke, das hängt auch davon ab, wie ernst einem die Sache war und wie alt man war. Verallgemeinert kann man aber auch hier sagen (ich weiß, ich wiederhole mich...): "Was dich nicht umbringt..." Man lernt eben damit zu leben - eine wichtige Lektion im Leben, meiner Meinung nach. Ich perönlich bin über meine Erfahrung von damals gut hinweggekommen, kann mir aber ebenso gut vorstellen, dass es bei einer nächsten, ähnlichen Situation ganz anders aussieht.
Reply
:iconsiritholme:
SiriTholme Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist Artist
Ouha.... *_* <3

Einfach perfekt beschrieben, dieses Gefühl... wenn des einen Liebe des anderen Herztod ist... wenn sie dir den Dolch, der eigentlich zu eurem Schutze diente, plötzlich ins eigene Herz rammt... es ist so grausam :/
Und der Dolch wird stecken bleiben und mit deinem Herz verwachsen... doch mit der Zeit zersetzt das Herz seine Stahlklinge und dein Blut verdünnt die Splitter nach und nach, wenn sie durch die Adern fließen...
Dein Gedicht beschreibt diesen Schmerz einfach am Besten! <3 richtig gut geworden! :clap: :heart:
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist Writer
Vielen Dank, auch für das :+fav:-Sternchen! Ich fühle mich geehrt! :bow:
Eine sehr schöne Beschreibung! Vor allem "wenn sie dir den Dolch, der eigentlich zu eurem Schutze diente, plötzlich ins eigene Herz rammt..." So eine Formulierung lag mir beim Schreiben auf der Zunge, aber ich habe es nicht geschafft, es so schön zu formulieren. Trifft es aber genau. :clap: Aber wie gesagt: "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker!"
Reply
:iconsiritholme:
SiriTholme Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist Artist
Gern geschehen :meow:

oh ja, das ist wahr...
Reply
:iconmoritz-fuchs:
Moritz-Fuchs Featured By Owner Jan 30, 2015   Writer
Wer kennt diesen Schmerz nicht. Ich kenne zumindest fast genau diese Situation... herrlich.
Aber auch der geht vorbei, obwohl man das in dieser Situation (auch wenn es nicht dase erste Mal ist), absolut nicht wahrhaben möchte.
Zumindest ging mir das so. ;)

Das Positive: Liebeskummer kann sehr inspirierend sein. :D
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist Writer
Richtig! Und Inspiration ist ja nie verkehrt... :D
Reply
:iconomega-draco:
Omega-Draco Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist General Artist
Gut geschrieben ^^ Sehr bildlich und klar und man kann sich richtig hineinversetzen :D
Ja Wunden die man am Herz erhält sidn immer mit die schlimmsten aber wie heißt es so schön? Das Herz ist das einzige Organ das von Narben verschönert wird ^^ Man lernt ja auch mit der Zeit, auch wenn so etwas immer bitter ist. Hatte zwar noch nicht genau diese Situation, aber ich habe einen Korb per SMS bekommen, das auch schön xD
Jdf gut und flüssig geschrieben, angenehm zu lesen und mit ner insgesamt passenden Metaphorik :)

Lg Ωmega
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 30, 2015  Hobbyist Writer
Eine interessante Redewendung. Und sie hat ja irgendwie recht. Was einen nicht umbringt, macht einen stärker.
Per SMS ist auch nich unbedingt besser, nur anders.
Jedenfalls vielen Dank für das Lob! :hug:
Reply
:iconkite-7:
Kite-7 Featured By Owner Jan 29, 2015
Ich find gut, dass das "Ich" am Ende nicht stehen bleibt und sich das Ganze länger antut, sondern wegrennt.
Das unterstreicht am Ende doch, dass es kein realer Tod war, kein echter Dolch und es trotz diesem harten Schlag weitergeht. :) Die Gefühle des Protagonisten in diesem Augenblick hast du bildhaft mit Worten eingefangen. Liest sich brutal aber gut!
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 29, 2015  Hobbyist Writer
Vielen Dank! Auch natürlich für das :+fav:-Sternchen! :bow:
"Brutal aber gut" klingt übrigens nach einer interessanten Beschreibung! :D
Reply
:iconkite-7:
Kite-7 Featured By Owner Jan 30, 2015
Sehr gern geschehen!
Fand ich irgendwie passend :D
Reply
:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Jan 28, 2015  Hobbyist Writer
Eine schlimme Situation, die vermutlich (fast) jeder in der einen oder anderen Form schon einmal erlebt hat. Und ja, es fühlt sich an, als hätte man einen Dolchstoß mitten ins Herz erhalten, als würde es niemals wieder befreit schlagen können ...

... und doch - so unglaublich es klingt - es ist eine Wunde die heilen wird :nod:
Reply
:iconsmyliart:
SmyliArt Featured By Owner Jan 28, 2015  Hobbyist Writer
Meine eigene (wenngleich etwas weniger dramatische) Erfahrung mit dem Thema bestätigt das: Man kommt darüber hinweg.
Reply
Add a Comment:
 
×

:iconsmyliart: More from SmyliArt


More from DeviantArt



Details

Submitted on
January 28, 2015
Link
Thumb

Stats

Views
187
Favourites
3 (who?)
Comments
16
×